Exkursion im FFH-Gebiet „Pinnow“

Wer unkt denn da? Heike Begehold und Hanna Rubenbauer vom NABU Angermünde zeigten uns typische Lebensräume für Unken, Kröten und Fröschen. Bei der gemeinsamen Exkursion schauten wir uns aus der Eiszeit entstandene immer wasserführende Feldsölle an, die durch hohen Pflanzenanteil, hoher Besonnung und dem Fehlen einer Fischfauna ideale Bedingungen für Amphibien bergen. Darüber hinaus wurden wir aber auch über Einschränkungen aufgeklärt, die sich aus Fragmentierung und Übernutzung der angrenzenden Agrarlandschaft ergeben. Der Besuch des FFH-Gebiets „Pinnow“ fand im Rahmen des 30-jährigen Geburtstag von Natura 2000 statt.
Feldsoll im FFH-Gebiet „Pinnow“ - Foto: Heike Begehold
Feldsoll im FFH-Gebiet „Pinnow“ – Foto: Heike Begehold

Der NABU Angermünder und der NABU Brandenburg bedanken sich herzlich bei allen Teilnehmenden.Komm am Sonntagmorgen mit uns zum Fredersdorfer Mühlenfließ. Der NABU Petershagen/Eggersdorf und der NABU Brandenburg

Exkursion im FFH-Gebiet „Pinnow“
am Samstag, 21. Mai 2022, 10:30 bis 12 Uhr
Treffpunkt: vor der Eisschmiede in Pinnow (Schmiedeweg 1, siehe Karte unten)


Bericht vom Aktionstag

Wir trafen uns Samstag um 10:30 Uhr am geplanten Treffpunkt und begrüßten einander. Der bedeckte Himmel und die Sturmböen, hielten uns dank wetterfester Kleidung und guter Laune nicht davon ab, uns auf die Exkursion zu begeben. Heike Begehold und Hanna Rubenbauer vom NABU ANgermünde erklärten: „Das FFH-Gebiet „Pinnow“ liegt im Landkreis Uckermark, welcher stark landwirtschaftlich geprägt ist. Ein Grund für die ertragreichen Böden sind die Einflüsse der Weichsel-Kaltzeit vor rund 15.000 Jahren. Die Uckermark ist ein typisches hügeliges Jungmoränengebiet. Während des Rückzugs der Gletscher schufen die Schmelzwässer die Urstromtäler und damit das Grundgerüst des heutigen Gewässernetzes von Oder, Randow und Welse sowie deren Nebentäler. Die mächtigen eiszeitlichen Geschiebemergel der Grundmoräne wurden durch Verwitterungsprozesse in sandige Lehme umgeformt, die Kalk- und Tonanteile allmählich ausgewaschen. Durch ihr Gewicht wurden die Böden stark verdichtet und so sind auch die natürlich nährstoffreichen Feldsölle entstanden (LRT 3150:  Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions).“

Manche der Vertiefungen sind permanent wassergefüllt, manche periodisch wasserführend, manche sind gänzlich ausgetrocknet, so dass nur noch die Hohlform erhalten ist. Insbesondere für Rotbauchunke und Kammmolch haben die ständig oder periodisch wasserführenden Hohlformen eine große Bedeutung. Sie sind Laichgewässer und – mit angrenzendem Uferbereich – Sommerlebensraum der Amphibien.
Auf Grund des starken Einflusses des Windes wurde uns leider nicht vergönnt, den typischen melancholischen Ruf der Rotbauchunke zu hören. Umso mehr konnten wir uns auf die spannenden Informationen über die Region von Heike Begehold und Hanna Rubenbauer vom NABU Angermünde konzentrieren. Passend zu den Forderungen des NABU Brandenburg wurde wieder einmal deutlich, dass Natura 2000 ein unschätzbar wertvolles Instrument für den Naturschutz ist, es jedoch unerlässlich ist die Umsetzung und Einhaltung der FFH-Regeln zu fördern und einzuhalten. Eine gesamtgesellschaftliche Erfahrung der Natur und die Einflüsse ihrer Abwesenheit sind notwendig, damit wir uns nicht unserer wertvollen Lebensgrundlage berauben.    

Rotbauchunke - Foto: Wolfgang Ewert
Rotbauchunke – Foto: Wolfgang Ewert

Die Rotbauchunke (Bombina bombina)

Die Exkursion fokussiert die Rotbauchunke im FFH-Gebiet „Pinnow“. Die 4,5 bis 5 Zentimetern große Rotbauchunke verdankt ihren Namen der auffälligen schwarz-orange-rot gefleckten Unterseite. Diese stellt eine Warntracht dar, die eventuelle Fressfeinde auf die Giftigkeit der Unken hinweist. Die Rotbauchunke stößt melancholische „Unk“-Rufe aus, ist eng an Gewässer gebunden und kommt in Mittel- und Osteuropa vor. Deutschlandweit und in Brandenburg gilt die Rotbauchunke als „stark gefährdet“. Europaweit ist sie nach der FFH-Richtlinie (Anhang II und IV) geschützt. Durch das Bundesnaturschutzgesetz ist die Rotbauchunke „streng geschützt“, d. h. sie darf nicht gefangen, verletzt oder getötet werden und die Störung der Tiere und die Zerstörung ihrer Fortpflanzungs- und Ruhestätten sind verboten. Brandenburg und Berlin haben für diese FFH-Art eine besondere Verantwortung und es besteht hoher Handlungsbedarf. Ursachen für den dramatischen Rückgang der Rotbauchunke sind z. B. Intensivierung der Landwirtschaft, Entwässerung von Feuchtgebieten und das dichte Verkehrsnetz.

Natura 2000

Natura 2000 ist das weltweit größte Netz aus Schutzgebieten und es besteht aus Vogelschutzgebieten und FFH-Gebieten. FFH-Gebiete sind europäische Schutzgebiete, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt sind, d. h. sie schützen Tiere (Fauna), Pflanzen (Flora) und Lebensräume (Habitat). Durch einheitliche Standards schützt Natura 2000 natürliche Lebensräume und wildlebende Arten europaweit. Natura 2000 in Brandenburg macht rund 26 Prozent der Landesfläche aus und besteht aus 27 Vogelschutzgebieten und fast 600 FFH-Gebieten.

Feldsölle im FFH-Gebiet „Pinnow“

Das europäische Schutzgebiet „Pinnow“ besteht aus zwei Teilflächen und liegt nordöstlich und südwestlich von Pinnow bei Angermünde. Die Äcker im Gebiet sind wenig durch Gehölze strukturiert, aber häufig mit Kleingewässern und Feldsöllen durchsetzt. Als „Augen der Landschaft“ prägen die Feldsölle das Gebiet. Sölle sind durch das Vernässen von eiszeitlichen Toteislöchern entstanden. Diese Stillgewässer sind in die Grundmoränenfläche bzw. die Nutzfläche eingebettet. Sie sind unterschiedlich groß und z. T. durch Gräben miteinander verbunden. Meist besitzen Feldsölle keinen oberflächlichen Zu- und Abfluss, ihre Wasserführung variiert stark. In diesen besonnten Gewässern leben Rotbauchunken, sie bevorzugen die Überschwemmungsbereiche der Kleingewässer. Das FFH-Gebiet „Pinnow“ ist mit seinen Feldsöllen ein wertvoller Lebensraum für Amphibienarten wie Rotbauchunke und Kammmolch.


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Projektförderung

Dieses Projekt wird gefördert durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und kofinanziert aus Mitteln des Landes Brandenburg bzw. des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK).

Mehr Informationen finden Sie auf folgenden Webseiten: