Exkursion in den Lange-Damm-Wiesen

Von feuchten Hochstaudenfluren über extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden bis hin zu Trockenrasen, das FFH-Gebiet „Herrensee, Lange-Damm-Wiesen und Barnimhänge“ hat – mit über 800 verschiedenen Pflanzenarten – eine sehr große botanische Artenvielfalt zu bieten. Gerd Haase vom NABU Strausberg-Märkische Schweiz setzt sich seit Jahrzehnten für den Erhalt einer vielfältigen Offenlandschaft im Schutzgebiet ein. Zusammen mit Norbert Wedl vom Landesfachausschuss HIKULA führte er uns am 4. Juni 2022 durch das Gebiet.
Norbert Wedl vom Fachausschuss Hikula bei der Bestimmung der gebietseigenen Flora - Foto: Lars Röhling
Norbert Wedl vom Fachausschuss Hikula bei der Bestimmung der gebietseigenen Flora – Foto: Lars Röhling

Der NABU Brandenburg, der NABU Strausberg-Märkische Schweiz und der Landesfachausschuss HIKULA bedanken sich bei allen Teilnehmenden

Exkursion im FFH-Gebiet „Herrensee, Lange-Damm-Wiesen und Barnimhänge“
Samstag, 4. Juni 2022, 10 bis 15 Uhr


Ablauf der Exkursion

Wir trafen uns um 10:00 Uhr bei bestem Exkursionswetter an der Mühle Lemke. Fast 50 Teilnehmende hatten sich zum Termin eingefunden. Gerd Haase und Norbert Wedl teilten die Exkursionsteilnehmenden in zwei Gruppen auf und es ging los Richtung Schutzgebiet.  und leiteten sie durch das Schutzgebiet. Die beiden Experten erklärten, dass das Gebiet schon bereits vor 180 Jahren botanisch untersucht wurde. Schon damals schätzten Botaniker*innen die hohe biologische Vielfalt, welche einst durch historische, kleinbäuerliche Bewirtschaftung entstand. Diesen alten Wissens- und Erfahrungsschatz in Form von Kartierungen und Biotopaufnahmen nutzt der NABU Strausberg-Märkische Schweiz heute, um durch traditionelle Landschaftspflege eine vielfältige und artenreiche Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten. Im Gebiet befinden sich auf engstem Raum Niedermoorflächen, sandige Trockenrasen und verschiedene Waldgesellschaften. Zu jedem Lebensraumtyp konnten Gerd Haase und Norbert Wedl die charakteristischen Zeigerarten präsentieren. Auf den Trockenrasen konnten wir die beispielsweise die Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum) entdecken. In den Niedermoorbereichen und auf den Nass- und Feuchtwiesen steht momentan das Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) in Blüte. Wedl erklärte, dass solch ein Bestand sich nur mit einer langjährigen und routiniert durchgeführten extensiven Mahd etablieren lässt. Außerdem keimen Orchideen nur, wenn eine Symbiose mit speziellen Mykorrhiza-Pilzen gegeben ist.
Neben der händischen Mahd und Entbuschung werden die Flächen seit 20 Jahren beweidet. Hierbei werden Heckrinder, Koniks, Wasserbüffel, Schafe und Ziegen eingesetzt. Im Ergebnis haben sich unterandere Kiebitze, Grauammern und der Wiedehopf angesiedelt. Die Bekassine brütet mit über 10 Paaren und die Bestände von seltenen Moorpflanzen wie dem Breitblättrigen Wollgras (Eriophorum latifolium) konnten sich deutlich stabilisieren. Neben der Zunahme an Populationen gefährdeter Arten wurden für das Gebiet verschollen geglaubte Arten wie Zweihäusige Segge (Carex dioica), Drahtsegge (Carex diandra) oder das Schopfige Kreuzblümchen (Polygala comosa) wiederentdeckt. Insgesamt wurden im Bereich der Lange-Damm-Wiesen bereits circa 120 Vogelarten und über 800 Pflanzenarten nachgewiesen.
Der NABU Brandenburg, der NABU Strausberg-Märkische Schweiz und der Landesfachausschuss HIKULA bedanken sich bei allen Teilnehmenden für diese tolle Exkursion. Bis zum nächsten Mal!


Natura 2000

Natura 2000 ist das weltweit größte Netz aus Schutzgebieten und es besteht aus Vogelschutzgebieten und FFH-Gebieten. FFH-Gebiete sind europäische Schutzgebiete, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt sind, d. h. sie schützen Tiere (Fauna), Pflanzen (Flora) und Lebensräume (Habitat). Durch einheitliche Standards schützt Natura 2000 natürliche Lebensräume und wildlebende Arten europaweit. Natura 2000 in Brandenburg macht rund 26 Prozent der Landesfläche aus und besteht aus 27 Vogelschutzgebieten und fast 600 FFH-Gebieten.

Wasserbüffel im FFH-Gebiet „Herrensee, Lange-Damm-Wiesen und Barnimhänge“ – Foto: Laura Klein
Wasserbüffel im FFH-Gebiet „Herrensee, Lange-Damm-Wiesen und Barnimhänge“ – Foto: Laura Klein

Büffel lassen Orchideen blühen

Im Rahmen des EU-LIFE-Projektes „Kalkmoore Brandenburgs“ der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg wurden ausgewählte Gräben mit Torf zugeschüttet, die Moorflächen renaturiert und wieder vernässt. Dadurch konnten verschollene Lebensräume wiederbelebt werden. Von feuchten Hochstaudenfluren über extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden bis hin zu Trockenrasen – das FFH-Gebiet „Herrensee, Lange-Damm-Wiesen und Barnimhänge“ hat heute – mit über 800 verschiedenen Pflanzenarten – eine sehr große Artenvielfalt zu bieten.

Mit Mahd und Beweidung setzt sich Gerd Haase vom NABU Strausberg-Märkische Schweiz seit Jahrzehnten für den Erhalt einer vielfältigen Offenlandschaft in den Lange-Damm-Wiesen ein. Mit schweren Geräten können die feuchten Wiesen nicht gemäht werden. Hier muss per Hand oder mit Tieren gearbeitet werden. Schafe, Koniks, Heckrinder und sogar Wasserbüffel helfen Gerd Haase bei der Landschaftspflege dieser einzigartigen Landschaft. Konkurrenzschwache Pflanzen wie Orchideen bekommen durch die Pflege eine Chance und können sich so gegen vorher dominante Arten wie Schilf und Großseggen durchzusetzen.

Feuchtwiese im FFH-Gebiet „Herrensee, Lange-Damm-Wiesen und Barnimhänge“ – Foto: Laura Klein
Feuchtwiese im FFH-Gebiet „Herrensee, Lange-Damm-Wiesen und Barnimhänge“ – Foto: Laura Klein

FFH-Gebiet „Herrensee, Lange-Damm-Wiesen und Barnimhänge“

Das FFH-Gebiet liegt im Nordosten Berlins zwischen Strausberg und Petershagen sowie Rehfelde und Rüdersdorf im Landkreis Märkisch-Oderland. Die Flächen sind auch als die aneinandergrenzenden Naturschutzgebiete „Herrensee, Lange-Damm-Wiesen und Barnimhänge“ und „Lange Dammwiesen und Unteres Annatal“ geschützt. Der NABU Landesverband Brandenburg, der NABU Regionalverband Strausberg – Märkische Schweiz und die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe besitzen Flächen in den Schutzgebieten.

Eine bis zu zwei Kilometer breite eiszeitliche Rinne durchzieht die Schutzgebiete innerhalb der Barnimer Hochfläche. Hohe Hügel und Dämme ragen aus den ebenen Wiesenniederungen mit ihren Flachmooren heraus. Diese höher gelegenen Flächen sind sandig und trocken, dort ist zum Teil der FFH-Lebensraumtyp Trockene, kalkreiche Sandrasen (LRT 6120) zu finden. Die kalkreichen Niedermoore (LRT 7230) und Pfeifengraswiesen (LRT 6410) in den Niederungen der Gebiete haben eine regionale und überregionale Bedeutung.

Die botanische Vielfalt ergibt sich durch das räumlich eng verzahnte Mosaik der unterschiedlichen Lebensräume. Feuchte Hochstaudenfluren, Seggenriede und Röhrichte, aber auch extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden nasser bis frischer Standorte, Stieleichen-Hainbuchen- und bodensaurer Eichenwald, oligotrophe Moore und Moorwälder sowie trockene, kalkreiche Sandrasen kommen im Gebiet vor. Diese Lebensräume bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause: Von Fischerotter und Rotbauchunke über Kranich und Bekassine bis hin zu Großem Feuerfalter, mehreren Orchideenarten, Wenigblütige Sumpfsimse und Pracht-Nelke.

Mehr Informationen über die Naturschutzgebiete „Herrensee, Lange-Damm-Wiesen und Barnimhänge“ und „Lange Dammwiesen und Unteres Annatal“ findest Du auf der Webseite der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, der Webseite der Langen-Damm-Wiesen und der Webseite vom NABU Brandenburg.


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Projektförderung

Dieses Projekt wird gefördert durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und kofinanziert aus Mitteln des Landes Brandenburg bzw. des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK).

Mehr Informationen finden Sie auf folgenden Webseiten: